Die zehn Dinge … (#2)
Ich kann mich nur wiederholen: Listen sind toll. Egal of best-of, worst-of, oder sonst-was-of, ich würde mir vermutlich auch das Ranking der schönsten Kellner im Kaukasus anschauen, sollte ich je über diese Liste irgendwo im Netz stolpern.
Heute nun soll es um die zehn Dinge gehen, die sich in den letzten Jahren aus dem Alltag verabschiedet haben, obwohl sie früher einmal sehr wichtig oder interessant waren … und damit herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Wassonstnochgeschah™.
– Facebook. F war das erste soziale Netzwerk, auf (in?) dem ich wirklich viel Zeit verbracht habe. In den 2010ern wurden dann Twitter und WhatsApp-Gruppen für mich immer wichtiger, v.a. weil ich die Nutzung auf dem Mobiltelefon wesentlich angenehmer fand. Heute spielt Facebook bei mir keine Rolle mehr – ich glaube, ich habe irgendwann alle Accounts gelöscht.
– Ebay. E fand ich Ende der 90er ausgesprochen faszinierend, damals™, als ich mich noch zum Minutentarif von 19 Pfennig mit meinem ELSA 56k Modem über Mannesmann Arcor ins Internet eingewählt habe. Da habe ich Unmengen Musik-CDs gekauft, die trotz des meist neuwertigen Zustands selten mehr als fünf oder sechs Mark gekostet haben. Mit der Verfügbarkeit von Breitband-Flatrates, dem Aufstieg von Youtube und später Spotify hat sich das dann irgendwann erledigt.
– DVDs und Blu-rays. Rückblickend bin ich sehr froh, dass ich niemals einen eigenen VHS-Rekorder und daher auch nur eine Hand voll VHS Kassetten besessen habe, denn die hätte ich inzwischen wohl längst verschenkt oder – was leider wahrscheinlicher ist – einfach weggeworfen. Streaming sei Dank stauben sie heute kistenweise auf dem Dachboden vor sich hin, die Filme und Serien auf den schillernden Silberscheiben.
Die siebte Staffel von Game of Thrones erblickte im Dezember 2019 als letzter Blu-ray-Neuzugang das Licht unseres inzwischen längst eingemotteten Multimedia-Regals.
– CDs und Stereo Anlagen. Während das Sammeln von Vinyl-Schallplatten seit einigen Jahren immer beliebter wird – und ich mich auch hin und wieder bei dem Gedanken erwischt habe, dass ich damit vermutlich Spass haben würde – ist das mit den Compact Disks so eine Sache, um nicht zu sagen: Streaming sei Dank vorbei (siehe DVDs und Blu-rays).
Selbiges gilt auch für die dazugehörende Technik, hauptsächlich bestehend aus einem Verstärker, dem CD-Abspielgerät und den obligatorischen mannshohen Lautsprecherboxen – die in meinem Fall ca. fünfzig (ja, 50) Kilogramm wiegen – pro Stück wohlgemerkt.
Seien wir ehrlich: Bluetooth-Lautsprecher sind ein Segen.
– Gedrucktes. Nichts ist älter als die Tageszeitung von morgen oder Spiegel vom letzten Freitag. Abgesehen vom monatlich erscheinenden Postillon haben wir keinerlei Print-Abos mehr – und wir hatten dereinst wirklich ne ganze Menge.
– Festnetz-Telefon. Wozu man heute noch so etwas brauchen könnte, ich weiss es auch nicht – und doch haben wir noch eines. Vermutlich, weil wir das von früher einfach noch so gewohnt sind. Doch seine Tage sind gezählt, denn auf dem Festnetz haben bei uns im Jahr 2026 noch genau vier reale Menschen angerufen. Der Rest waren aggressive Werbung, obskure Umfragen, Betrüger und sonstige Tagediebe. Glücklicherweise sieht man die Rufnummern und kann das nervtötende Gespräch dem Anrufbeantworter überlassen.
– Telefonzellen. Dem Siegeszug der Mobiltelefone fiel nicht nur das Festnetz zum Opfer, ich glaube fast, so etwas wie Telefonzellen gibt es – zumindest hierzulande – allenfalls noch in Museen.
– Oscars, Emmys, Grammys und alle anderen Preise jeglicher Art. Es gab mal eine Zeit, da war es tatsächlich etwas ganz Besonderes, wenn man für etwas, das man selbst geschaffen hatte, von einer Jury, die tatsächlich über Expertise verfügte, ausgezeichnet wurde. Das ist lange, lange vorbei, egal ob Golden Globe oder goldener Otto, bei all dem geht es am Ende immer nur um Geld.
– FIFA WM 2026. Apropos es geht nur noch um Geld.
– Digitale Bilderrahmen. Zugegeben, das klingt zunächst einmal nach einer guten Idee: Man hängt sich ein Display an die Wand, das alle paar Minuten ein anderes Foto zeigt. In der Realität merkte man anfangs der 2000er aber schnell, dass bei den bezahlbaren Geräte sehr viel Rahmen um eine sehr kleine Foto-Anzeige zu sehen war. Dazu kam, dass die von den günstigen Geräten unterstützen Bildgrößen so gar nichts mit jenen zu tun hatten, die man von den Bildern in den Mobiltelefonen oder Digitalkameras kannte, weswegen man jedes Foto einzeln zurechtschneiden musste – ein Unterfangen, das damals mit den Windows-Bordmitteln doch einigermaßen mühsam war. Blöd war auch, das die Dinger meist keine eingebauten Akkus hatten, man also Stromkabel einmal quer über die Wand ziehen musste.
Ich kenne tatsächlich niemanden, der sich irgendwo einen digitalen Bilderrahmen hingehängt hätte – und ich habe es ganz bestimmt nicht vor.
Schalten Sie auch zur nächsten Zehn-Dinge-Liste wieder ein, bei der ich mich (voraussichtlich) mit den zehn Platten beschäftigen werde, die ich mit auf die ominöse einsame Insel nehmen würde.
