Wartezimmergeschichten
Wenn man bei 38 Grad im Schatten einen Termin beim Hautarzt hat, dann ist man geneigt, eben jenen abzusagen und leise auf seinem Sofa daheim vor sich hinzuleiden.
Ein Glück tat ist das nicht.
Zum einen ist das Wartezimmer mit einem mobilen Klimagerät ausgestattet, das fast schon arktische Zustände produziert, zum anderen wäre dieser Dialog an mir vorbeigegangen.
Margot und ihre Tochter Madeleine betreten das Wartezimmer.
Margot ruft herzzerreißend: „Gott ist das wundervoll hier, nicht so ein Höllenschlund wie bei uns daheim!“.
Madeleine verdreht die Augen und nölt: „Ja ja, ist ja schon gut, fang nicht wieder damit an!“.
„Oh doch,“ schallt es von Margot „wir hatten es daheim so angenehm, aber Miss Superclever hat uns ja in die Gluthölle geschickt.“
„ES TUT MIR LEID, zum hundertsten mal, ich mache es nie wieder und ich hab halt nicht nachgedacht. Madeleine Ende!“
„JA, nicht nachgedacht. 14 Jahre alt, auf dem Gymnasium, Tochter zweier Akademiker, kann nicht denken. Dafür leiden jetzt alle daheim. Oh herrlich, wir nehmen das Ding mit heim.“ sagt Margot und schwingt sich vor das Klimagerät.
Langsam frage ich mich, ob das Mutter-Tochter-Duo mich eigentlich wahrgenommen hat … zum Glück nicht. Denn es folgt prompt die Gluthöllengeschichte.
„Wie kann man auch so dämlich sein und sich bei dem Wetter Baguettes im Backofen machen? Bei 38 Grad den Ofen auf voller Möhre laufen lassen! Für zwei Baguettes!“
„Wir haben uns dann ja nochmal welche gemacht! Waren gar nicht nur zwei. Und außerdem wollten wir ja eigentlich Wraps, aber die waren alle. Wir hatten halt Hunger und das geht schnell und kochen sollten wir ja nichts, hat Papa gesagt!“
Madeleine, denke ich, ich sag’s dir, das Argument macht es nicht besser – und schon quakt Margot los.
„Oh Verzeihung, vier Baguettes. Viel besser! Nichts kochen, richtig, da ist es natürlich viel besser, den Backofen anzumachen. Ach was sage ich! Nahezu perfekt! Und selbst wenn ihr euch 20 Baguettes gemacht hättet, die Backofentür danach dann auch noch OFFEN, JA! OFFEN! stehen zu lassen, ist das Bescheuertste, das ich in den letzten Jahren erlebt habe, Madeleine. Dumm, das ist einfach nur dumm!“
„Aber der Ofen muss doch auskühlen! Machst du schließlich auch immer nach dem Backen und maulst mich an, wenn ich den dann zu mache!“
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Ich freue mich auf Runde 2.
Blöd nur, dass ich ausgerechnet jetzt ins Sprechzimmer gerufen werde. Ich wäre gerne weiter den Backkünsten und Argumentationsketten gefolgt.