ESC Gedanken
Manche mögen es mutig nennen – leider kenne ich aber niemanden persönlich, derdie auf eine so abseitige Idee kommen würde.
Die Meisten würden es wohl eher dämlich nennen:
Wir haben ernsthaft versucht, das Finale des deutschen Vorentscheids für den 70. Eurovision Song Contest, der vom 12. bis zum 16. Mai 2026 in der Stadthalle in Wien stattfinden wird, zu kucken.
Was soll ich sagen: Es ist beim Versuch geblieben.
Herzlich willkommen zu einer Extra-Glitzer-Ausgabe von Wassonstnochgeschah™.
Das Problem, mit dem ich mich beim Zusammenfrickeln dieses Textes von Zeile Eins an herumgeärgert habe: Es gibt zu dieser nicht einmal mehr unfreiwillig komischen Veranstaltung, die sich letztes Wochenende in der ARD zugetragen hat, nichts Positives zu berichten. Garnichts.
Das ist nicht nur nicht schön, das klingt schnell auch nach Zynismus, nach altklugem womöglich – und das möchte ich nun wirklich nicht. Im Gegenteil, ich würde mich so gerne wieder einmal über eine gelungene Kandidaten-Findung freuen. Eine, bei der die Gefühlslage nicht pausenlos zwischen ungläubigem Staunen, Fremdscham und spontanem Gelächter pendelt.
Tja. Nun. Das Motto dieser Veranstaltung – und da waren wir uns sehr schnell einig – konnte nur gewesen sein: Altbacken.
Wir sahen eine Sendung, die sich so schlimm nach den Neunzigern angefühlt hat, dass wir uns nicht gewundert hätten, wenn Dieter Thomas Heck höchstselbst ein Schlager-Medley zum Besten gegeben hätte.
Dazu eine Song-Auswahl, die langweiliger kaum sein könnte – alle Beiträge waren mindestens so schnell wieder vergessen wie gehört.
Und am Ende stand wie so oft eine Siegerin, die nicht schlecht aber auch alles andere als eindrucksvoll einen völlig belanglosen Song vorgetragen hat. Gesundes Mittelmaß mag im Alltag nicht verkehrt sein, bei einem Gesangswettbewerb jedoch kommt das einem Offenbarungseid gleich.
Der Ehrlichkeit halber sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich den Triumph dieser Frau, deren Namen und Siegertitel ich mir auch nach zweimaligem Anschauen nicht zu merken vermag (und irgendwas mit DSDS war da wohl auch), einen Tag später in der ARD Mediathek (Link) nachgeholt habe. Nach Song fünf war ich eingeschlafen.
Selbst der menschgewordene Moderations-Frohsinn, die unerschütterliche Barbara Schöneberger, schien irgendwann die Grenzen des Noch-gut-finden-könnens erreicht zu haben. Ihre Erleichterung, als der Spuk endlich vorbei war, konnte man förmlich greifen.
Als Fazit dieser einmal mehr ziemlich misslungenen Versuchs, einer völlig zu Unrecht glorifizierten Vergangenheit neues Leben einzuhauchen, kann ich dann aber doch noch etwas Positives vermelden:
Das mit großem Abstand Beste an der Veranstaltung war ohne Frage, dass man glücklicherweise nicht noch einmal versucht hat, den Raab aus der Mottenkiste zu holen – der seinerseits, wie mir glaubhaft versichert wurde, zu später Stunde eine Sendung auf RTL ableistet, zu der sich aber wohl kaum je ein Zuschauer freiwillig verirrt.
Schließen möchte ich mit der einen Frage, die sich sowohl beim Thema ESC als auch bei Raab förmlich aufdrängt: WTF?
Schalten Sie auch nächstes mal wieder ein, wenn ich der Frage nachzugehen versuche, wie man bei RTL auf die Idee gekommen sein könnte, dass sich noch irgend jemand für Stefan Raab interessiert.
